Souveränes Auftreten: Tipps für eine charismatische Führung

Souveränes Auftreten: Tipps für eine charismatische Führung

Ein sicheres, souveränes Auftreten ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für Führungskräfte.

Orientierung geben mit Charisma: Wie kann das gelingen?

Vor allem Führungskräfte wünschen sich oft, allen Situationen gewachsen zu sein und das auch auszustrahlen. Aber wie genau gelingt das? Kann man Souveränität trainieren? Und wer entscheidet überhaupt, was souverän ist?

Die Antwort auf diese Fragen ist gar nicht so leicht und wenn man Führungskräfte fragt, gehen die Meinungen darüber weit auseinander.

Sicher und selbstbewusst auftreten, wer will das nicht?

Die „alten Hasen“ im Management argumentieren oft, dass Souveränität eine Frage der Erfahrung und der Routine sei.

  • Doch die Routine des Chefs kann aus Mitarbeitersicht auch den Eindruck erwecken, er mache immer „denselben Stiefel“ und das mit großem Selbstvertrauen.
  • Erfahrung an sich ist in der VUCA-Welt keine Managerqualität (mehr). Entscheidend ist, ob die Erfahrung in der aktuellen Situation hilft.
  • Souveränes Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit ist eine Herausforderung. Wenn man eine kritische Situation und keine dazu passende Erfahrung hat, braucht es etwas anderes: Mut zur Entscheidung. Auch Kapitäne, die alle Weltmeere besegelt haben und ihr Schiff über die größten Wellen manövriert haben, werden nervös, wenn sie plötzlich zum ersten Mal in ihrem Leben einen Eisberg vor sich sehen.

Dann gibt es eine Spezies Manager, der man nachsagt, „gute Verkäufer“ zu sein. Auch Projekte, die nicht funktionieren, werden in schöne Worte gekleidet – und so mancher Anwesender bei der Betriebsversammlung versteht nicht gleich auf Anhieb, dass mit der angekündigten zeitgemäßen Anpassung des Produktportfolios an die Gegebenheiten des Marktes mitunter mühevolle Restrukturierungen und harte Einschnitte gemeint sind.

  • Starke Argumente und gut gewählte Worte beruhigen kurzfristig die Stimmung. Sie können in Krisen helfen, Zeit zu gewinnen – und temporär sogar den Eindruck souveränen Auftretens erwecken.
  • Umso größer aber ist die Enttäuschung, wenn die Blase der schönen Worte platzt.
  • Wahrhaft souverän wäre, das große Bild zu vermitteln, Mitarbeitern Sachverhalte umfassend zu schildern und ihnen reinen Wein einzuschenken, auch wenn man nicht gleich auf alle Fragen Antworten hat.

All das ist Souveränität. Und auch nicht. Zumindest nicht aus Sicht des Coachs. Ihn interessiert vor allem, welche Ressourcen Menschen aktivieren können, um in kritischen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren und halbwegs kontrolliert und rational zu handeln.

Souveränität ist stets eine Frage der Persönlichkeit

Es gibt nicht das allgemeingültige Rezept dafür, weil abhängig von der eigenen Persönlichkeit und vom Startpunkt des Coachings Souveränität für jeden Menschen etwas anderes bedeutet.

Meine Frage an Sie wäre: Angenommen, Sie wären so souverän, wie Sie sich das wünschen: Woran würden andere Menschen das erkennen?

  • Viele Menschen setzen Souveränität mit Schlagfertigkeit Sie schildern zum Beispiel, dass sie ins Stocken geraten, wenn sie kritische Fragen gestellt bekommen und vor lauter Nervosität in der Situation gute Argumente nicht parat haben. Die optimale Antwort fällt dieser Gruppe dann auf dem Nachhauseweg ein.

    Auf die Frage „Wie kann man es besser machen?“ antworten viele der Betroffenen, sie müssten inhaltlich noch besser werden. Doch es sind gerade intelligente, ehrgeizige und perfektionistische Menschen, die diese Form von Blockade erleben. Für viele von ihnen beginnt die Lösung mit der Einsicht, dass es nicht die Inhalte, sondern ihre eigene Rolle im System ist, die zu Unsicherheit führt. Ich frage dann: Was sind Ihre Ziele? Wo wollen Sie insgesamt hin? Hat die Situation Sie von Ihrem Ziel abgebracht?
  • Souveränes Auftreten zeigt sich auch in Körpersignalen: Zum Anlass richtig gekleidet, mit aufrechter Körperhaltung und einem klar formulierten Ziel, fühlt sich der Platz am Rednerpult schon gleich viel besser an. Schwitzen, Errötung, Zittern, Augenzucken und raue Stimme müssen dagegen nicht sein. Lampenfieber aber ist normal. Legenden zufolge soll es Professoren geben, die bei ihren eigenen Vorlesungen eingeschlafen sind. Vermutlich, weil sie es extrem gewohnt waren, vor hunderten mehr oder weniger wissbegieriger Studenten zu sprechen. Sollten Sie nicht jeden Tag vor großen Menschenmengen sprechen, versorgt Ihr Körper Sie mit dem nötigen Maß an Adrenalin, so dass Ihnen diese Erfahrung erspart bleibt. Sie sind nicht nur nervös, sondern auch hellwach und achtsam.

Charismatische Führung heißt Brennen für die Sache

Wir haben das betrachtet, was Menschen von Ihnen äußerlich wahrnehmen. Noch spannender ist aber, was sie von innen aus Ihnen heraus spüren. Sind Sie ein charismatischer Leader? Was ist Charisma? Wie definiert sich charismatische Führung?

Der Begriff Charisma kommt eigentlich aus der Bibel. Sie meint mit Charisma sämtliche durch den Geist Gottes gegebenen Befähigungen eines Christen in der Gemeinde. Im übertragenen Sinne ist damit Stahlkraft oder Ausstrahlung gemeint.

Haben Sie Ziele? Brennen Sie für Ihre Ziele? Sind Sie begeistert von Ihren Themen? Dann zeigen Sie es!
Die Vorteile und Nachteile eines charismatischen Führungsstils liegen aber eng beieinander: Wer zu sehr für eine Sache brennt, verbrennt sich oft selbst. Daher: Hüten Sie Ihr Feuer gut! Das zeichnet charismatische Führungspersönlichkeiten aus. Ihre Mitarbeiter lieben sie dafür.

Für viele bedeutet Souveränität aber genau das Gegenteil: Nicht mehr, sondern weniger aus sich heraus zu gehen. Für sie geht es darum, die Kontrolle zu bewahren. Mir hat einmal ein Coachee, Führungskraft im mittleren Management, erzählt, dass er regelmäßig an die Decke geht, wenn einer seiner Mitarbeiter in seinem Teammeeting aufs Handy geschaut hat. Er selbst hat es auch während des Coachings ganz selbstverständlich getan. Souverän, meinte er, wäre wenn er beim nächsten Mal die Handybenutzung mit einer lustigen Bemerkung quittiert: „Die Quartalszahlen sind leider nicht so, wie erwartet… und Herr Maier, das Controlling hat sie Ihnen bestimmt soeben zugemailt… Nur so, weil Sie so intensiv in Ihr Handy schauen.“

Wir stellen uns vor, wie die Anwesenden kichern, Herr Maier aufschrickt und sagt: „Was? Entschuldigung, ich habe gerade ein wichtiges Kundenmail erhalten.“

Nun, unsere Führungskraft war für ihre Verhältnisse recht geistreich. Aber wie fühlt sich das wohl für den ertappen und bloßgestellten Herrn Maier an?

Nicht gut. Erkannte auch mein Coachee. Irgendwann kam er mal darauf, dass es souverän wäre, wenn er selbst mit gutem Beispiel vorangeht und vor allem darauf achte, dass die Meetings ergebnisorientierter verlaufen. Gute Erkenntnis. Wirklich gut, da die Lösung vom Coachee selbst kommt. Und Erleuchtungen, die aus uns selbst kommen, bieten nun einmal die größte Chance auf Umsetzung.

So nähern wir uns einem Verständnis des Begriffs Souveränität, das weit verbreitet ist: über den Dingen stehen, unabhängig und offen für andere zu sein – auch für Kritik. Selbstbewusstes (= selbst-bewusstes) Auftreten kombiniert mit dem Antrieb, Menschen zu begeistern zeichnet eine charismatische Führungskraft aus.

Zurück zum Beispiel: Unser Teamleiter meinte, irgendwo könne er die Unaufmerksamkeit verstehen, weil seine Themen zugegebenermaßen dröge seien. Er fragte mich dann, ob es irgendein Seminar gäbe, in dem man lerne, wie man Meetings spannender gestaltet. Ich fragte ihn, ob es denn alleine sein Job ist, die Meetings gehaltvoller zu gestalten.

Natürlich nicht: Wenn die Mitarbeiter mehr aus sich herausgehen und ihre Rolle eigenverantwortlicher leben, fühlt sich das auch für unseren Manager nicht so zäh an, als müsse er eine Horde bockiger Schafe über die Weide treiben.

Souverän auftreten ist für jeden etwas anderes!

Die Beispiele verdeutlichen: Souveränität hat viele Facetten. Es gibt nicht den allgemeingültigen Karrieretipp, der einen 1, 2, 3 zu einer selbstsicheren Führungskraft macht.

Ich möchte souveräner in meinem Auftreten werden - wie werde ich selbstsicherer? Die Antwort auf diese Frage ist eine Gegenfrage: Was ist mein persönliches Veränderungs-Ziel?

Sich auf diese Fragen einzulassen, daran zu arbeiten und schonungslos ehrlich zu sich selbst zu sein, auch das ist Souveränität. Ein selbstsicheres Auftreten setzt voraus, sich hinsichtlich seiner Ziele Klarheit zu verschaffen, also am persönlichen Markenkern zu arbeiten.

Mehr dazu in unserem Leitfaden „Leadership Coaching, Personal Branding & Communication“:

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