HEEET: Neuer Name, gemeinsame Identität
Eine Fusion beginnt oft mit Zahlen. Synergien. Kapazitäten. Marktgebiet. Einkauf. Prozesse. Und dann kommt sehr schnell eine Frage, die viel größer ist als sie klingt:
Wie heißen wir eigentlich künftig?
So war es auch bei HEEET. Zwei gut etablierte SHK-Familienunternehmen aus Siegen – Bäcker Haustechnik und Willi Gräf – wollten gemeinsam in die Zukunft gehen. Nicht als Übernahme. Sondern als Fusion auf Augenhöhe. Aus zwei Teams mit je rund 30 Mitarbeitenden wurde ein gemeinsames Unternehmen.
Der neue Name war der sichtbare Teil. Hinter ihm steckte die eigentliche Aufgabe: Zwei Organisationen müssen zusammenwachsen. Und eine neue gemeinsame Identität muss entstehen. Genau an dieser Stelle wurde aus einem Naming-Projekt ein Transformationsprojekt – gemeinsam getragen von DES WAHNSINNS FETTE BEUTE (DWFB) und triljen.
Ein Name ist kein Etikett. Er ist ein Vertrag.
Wenn zwei Traditionsbetriebe fusionieren, hängt an den alten Namen mehr als ein Logo. Da hängen Geschichten dran. Stolz. Kundenbeziehungen. Zugehörigkeit. Und oft Jahrzehnte Arbeit. Das kann man nicht „abschalten“, nur weil auf dem Papier etwas Neues entsteht.
Genau deshalb war früh klar: Der neue Name darf nicht von oben verordnet werden. Er muss getragen werden. Und er muss eine Idee transportieren, in der sich beide Seiten wiederfinden können. Im Interview beschreibt HEEET-Geschäftsführer Lino Ferda rückblickend sehr deutlich, worum es ging: Niemand sollte das Gefühl haben, „geschluckt“ zu werden. Niemand sollte seine Identität verlieren.
DWFB hat in dieser Phase den Markenrahmen gebaut: Name, Ton, Designlogik. Nicht als „Kampagne“. Sondern als Ausdruck einer gemeinsamen Zukunft. Dass der Name HEEET als Kunstbegriff bewusst gewählt wurde, passt dazu: Er ist eigenständig, nicht kopierbar, und er schafft Distanz zu den alten Grenzen. Gleichzeitig ist er anschlussfähig an das, was das Unternehmen tut – Wärme, Technik im Haus, Komfort im Alltag.
Wichtig ist aber ein anderer Punkt: Der Name war nicht der Abschluss. Er war der Startschuss für Identität.
Denn ab jetzt zählt eine ganz praktische Frage: Was bedeutet HEEET im Verhalten?
Wie arbeiten wir zusammen? Wie entscheiden wir? Was ist unser Anspruch? Und was ändert sich konkret im Alltag?
Damit eine neue Marke nicht nur gut aussieht, braucht sie eine innere Entsprechung. Oder anders gesagt: Das, was nach außen sichtbar wird, muss innen erlebbar sein. Und umgekehrt.
Das neue „Wir“ entsteht nicht im Organigramm. Es entsteht in der Zusammenarbeit.
In vielen Fusionen wird zuerst die Struktur geklärt. Wer führt was. Wo sitzt wer. Welche Systeme werden übernommen. Das ist notwendig. Aber es reicht nicht.
Bei HEEET lag die eigentliche Herausforderung tiefer: Zwei Kulturen treffen aufeinander. Zwei Arten, Dinge zu lösen. Zwei Gewohnheiten. Zwei Geschichten. Wenn man das ignoriert, entsteht ein Nebeneinander. Mit höflicher Distanz. Mit Reibung an Schnittstellen. Mit „bei uns war das immer anders“.
Deshalb haben wir das Zusammenwachsen bewusst als Prozess gestaltet. Mit einem klaren Prinzip: Betroffene werden Beteiligte. Im Magazin-Beitrag wird beschrieben, dass der Weg über zwei Jahre vorbereitet wurde – parallel zum Tagesgeschäft. Und dass es früh den Entschluss gab, sich dafür Unterstützung zu holen und den Prozess zu moderieren.
Ein Schlüsselmoment war der gemeinsame Kick-off, bei dem die Teams zusammenkamen, Sorgen offen auf den Tisch konnten und „Tacheles“ gesprochen wurde. Genau solche Momente lösen Knoten. Weil sie das aussprechen, was sonst in Fluren und Pausenräumen arbeitet.
Und dann kam der Punkt, an dem Marke „real“ wurde: Die Marke stand, die Geschäftsführung gab grünes Licht – und trotzdem brauchte es etwas anderes als eine PowerPoint. triljen beschreibt es als Marken-Erlebnis-Event: anfassen, begreifen, reinschlüpfen. Mit gebrandeten Fahrzeugen, Arbeitskleidung, Merch – sichtbar im Unternehmen, sichtbar in der Stadt. „One Brand!“
Das ist kein Showeffekt. Es ist ein Führungsinstrument. Es macht die neue Identität körperlich. Und es schafft ein gemeinsames Erlebnis, auf das man sich später beziehen kann: „Da hat es wirklich angefangen.“
In den Workshops zur Marke wurden zudem Themen sichtbar, die sonst gern liegen bleiben. Lino Ferda beschreibt, dass in diesen Runden Dinge auf den Tisch kamen, die man danach lösen konnte – und dass bewusst auch ohne Geschäftsführung gearbeitet wurde, damit offen gesprochen werden kann.
Genau hier greift die Logik von triljen: Kultur ist nicht Deko. Kultur ist das, was passiert, wenn es schwierig wird. Und dann zeigt sich, ob Verantwortung geklärt ist, ob Konflikte bearbeitet werden, ob Entscheidungen nachvollziehbar sind.
Heute ist HEEET nach eigener Aussage nicht nur organisatorisch stärker, sondern auch kulturell: Kompetenzen wurden gebündelt, Synergien genutzt, und das Unternehmen hat in Summe gewonnen – fachlich, organisatorisch, kulturell.
Dass die Marke dabei schnell Anerkennung bekommen hat, ist das sichtbare Ergebnis. Aber der Kern ist: Das „Wir“ wurde aufgebaut. Schritt für Schritt. Mit Konsequenz.
Learnings für Unternehmer vor einer Fusion
1. Starten Sie nicht beim Namen. Starten Sie bei der Identität.
Der Name ist das Symbol. Die Identität ist die Arbeit dahinter.
2. Machen Sie Beteiligung zum Prinzip, nicht zur Maßnahme.
Workshops sind kein „nice to have“. Sie sind die Bühne, auf der das neue Wir entsteht.
3. Übersetzen Sie Marke in Alltag. Sichtbar. Greifbar. Wiederholbar.
Wenn die Marke nur im Web lebt, verpufft sie. Wenn sie im Betrieb spürbar wird, entsteht Bindung.
HEEET zeigt, was möglich ist, wenn man Fusion nicht auf Struktur reduziert. Sondern als Chance nutzt, eine neue gemeinsame Identität zu bauen. Mit Marke, die Richtung gibt. Und mit Kulturarbeit, die diese Richtung im Alltag wahr macht.
Ein entscheidender Faktor dafür, dass diese Punkte so schnell und reibungslos umgesetzt werden konnten.
Gender Disclaimer
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